Sorry. Es ging nur darum, die These zu verifizieren, dass “5-Gründe-warum-Überschriften” zu mehr Klicks führen.

Falls Du sauer bist, klick fünf mal auf den pinkfarbenen “Random Post anzeigen”-Button. Das Gefühl danach ist dann immerhin so diffus-internet-was-wollte-ich-eigentlich-gerade-mäßig-okay.

“Schatz, ich muss nur kurz ins Bad.”
“Mit oder ohne Radio?”
“Mit.”
“Oh. Ok. Kann ich kurz vorher? Ich muss nur ohne.”

Eigentlich ist es rausgeschmissenes Geld für den Preis. Astrein, rief Andi. Räum Deine Plünnen da weg, schmipfte Susanne. Was ist das für eine Menkenke, fasste Oma zusammen und schlug die Hände über dem Kopf wieder auseinander. Die Upside steht nicht für die Downside. Schwimmbad vollständig ausgebrannt stand auf dem Titelblatt und alle schwiegen. Früher, das war die Zeit, als sich die Frauen das Parfüm noch mit dem Finger hinter das Ohr schmierten. Bogdan versuchte, seine Glaubwürdigkeit zu unterstreichen. Sch’ leg mein Eid ab. Sollen wir das als Geständnis werten, fuhr der Späti-Verkäufer dazwischen. Wer den Memory-Effekt als Argument benutzt, ist mindestens 30.

Rot ist abhängig von Wolken. Jedenfalls den Sonnenuntergang betreffend. Ich werde eine Verteilersteckdose erfinden, bei der der Schalter nicht an dem Ende ist, an dem das Kabel reinkommt. Es gibt Wechsel, auf die kann man sich verlassen. So wie den der über dem Apothekenschaufenster wachenden Thermometeranzeige mit der Uhranzeige. Ist Überwachung eigentlich schlecht? Das ist eine Ja-Nein-Frage aber keiner beantwortet sie mit Ja oder Nein. Literatur ist die Möglichkeit, Sprachlosigkeit loszuwerden. Eigentlich ist es rausgeschmissenes Geld für diesen Preis. Was die Hamburger an Effizienzgewinnen gutmachen, indem sie „sich“ nicht mehr „an“ etwas erinnern, sondern nur noch etwas erinnern, das schmeißen sie im hohen Bogen zum Fenster wieder raus, wenn sie mit „da nicht für“ Verwirrung stiften, anstatt einfach „Bitte“ zu sagen.

Der Bauer wurde uns beschrieben als Mann mit lila Lada und einem Ohrring mit Dreieck drin. Aber das wäre nicht nötig gewesen, denn er war der einzige, der am Bahnhof stand. Der Bahnhof lag in der Mitte eines Tals im Glarus. Glarus ist eines der drei Kantone der Schweiz, die die schweizerische Tourismusbehörde in dem dicken Band über die Must-Sees der Schweiz unerwähnt lies. Die Strommasten mussten vor ein paar Jahren im Tal abgebaut und in den Hang zwischen die engen Serpentinen gestellt werden. Wegen des Elektrosmoks. Der Bauer fuhr uns den Berg hoch bis zu dem Ort, ab dem man nur noch laufen konnte. Das Handy hatte schon weiter unten keinen Empfang mehr. Wie ruft man einen Arzt hier herauf? Jemand müsste runtergehen. Ab hier, sagte der Bauer, habe man die Straße nicht mehr weiter bauen können. Vielleicht schon, aber das hätte sich nicht rentiert. Kühe standen dort. Wir verabschiedeten uns.

Für das letzte Stück bis zur Alphütte hinauf braucht man 45 Minuten, wenn man sich auskennt. Die Hütte wurde mit dem Rücken zum Berg vor einem aus der Ebene herausragenden Fels errichtet. An der Seite wird sie von meterdicken Wänden aus Stein gestützt, damit sie im Winter nicht vom Schnee zerdrückt wird. Im Winter ist keiner da. Im Ich-frage-Dich-ihr-sagt-nichts-und-ich-gebe-die-Antwort-selbst-Modus gab Rüdiger, der im Sommer hier oben arbeitete, Auskunft. Rüdiger sprach wenig. Man fängt hier oben irgendwann an, weniger zu sprechen. Bei mir ging das los in dem Moment, als mir klar wurde, dass es nicht schlimm ist, dass kein Arzt es in angemessen kurzer Zeit hier herauf schaffen kann. Man überlebt die Dinge doch im Wesentlichen immer. Von rechts nach links lief vor der Hütte ein Bach nach unten. Viele dieser Bäche liefen beim Aufstieg über unseren Weg. Einer der Arme, aus denen sich der Bach speiste, drang seit irgendwann durch die steinerne Rückwand der Hütte in den hinteren Raum und irgendwo an dessen Seite wieder nach draußen. Seitdem wird der hintere Raum als Kühlraum für die Lebensmittel benutzt. Dort stand auch ein badewannengroßer Bottich aus Kupfer, in dem früher, als die Kühe noch gemolken wurden, Käse gemacht wurde. Warum Kupfer?, fragte Rüdiger ohne dass wir etwas sagen sollten. Weil da nichts anklebt, antwortete er. In dem Raum vorn in der Hütte stand der Ofen. Dort wurde gegessen, gesprochen und geschlafen. Im unteren Stock des Doppelstockbettes braucht man eine Decke mehr als oben. Zwischen dem vorderen Raum und dem hinteren, durch den das Wasser floss, war die Hütte an den Seiten offen, sodass von der einen Seite zur anderen die Wolken durch die Hütte hindurch zogen. Wir waren in den Wolken und darüber. Zwischen den Räumen lagerte das Holz. Daneben stand der Fressnapf von Pepe, dem Kater, der der vorherigen Saisonkraft gehörte. Sie musste plötzlich weg wegen eines Todesfalles. Pepe war unterwegs, als sie ging und er überlebte die Zwischenzeit bis zu Rüdigers Ankunft.

Rüdiger gab uns Schuhe, die man einfetten musste. Die Frösche waren so langsam, dass man sie in die Hand nehmen konnte. Als wir von der Hütte aus noch weiter aufstiegen, nahmen wir kein Wasser mit, sondern tranken aus Bächen. Der Ofengeruch unserer Kleidung überdeckte bei stehendem Wind den der Wiesen. Beim Blaubeerenpflücken roch man es auch. Der Nebel, zu dem eine Wolke wird, wenn man in ihr steht, hielt unsere Haare nass. Das Salz, das auf die großen Steine geworfen wird, damit es die Kühe ablecken können, wurde von Rüdiger in einer roten Esprit-Tüte transportiert. Der Käse kam von der Nachbaralp. Die Salami, das Weißbrot und die Fleischwurst brachte der Bauer mit dem dreieckigen Ohrring im lila Lada alle zwei Wochen aus dem Supermarkt zu dem Ende der Straße. Bio-Müll?, fragte Rüdiger. Was ihr Bio-Müll nennt, antwortete er, das kommt bei uns in den Bach. Mitte September, wenn abgezäunt wird und die Kühe dem Bauer talabwärts folgend die Alp verlassen, wird der Restmüll mit dem Hubschrauber abgeholt. Am Mittwoch gibt es immer einen Sammelflug, an dem man sich beteiligen kann. Da kommt man dann bei 30 bis 40 Franken pro Flug raus. Das kann man schon machen. Das geht aber nur für Transport, nicht für Menschen. So einen Extraflug wie mit der abgestürzten Kuh im Juli macht die Versicherung. Sonst wäre das nicht wirtschaftlich.

Der Freund von Max und Louise hatte zu seinem Geburtstag eingeladen und die Getränke wurden knapp, denn es kamen auch die, die nur auf Vielleicht gedrückt hatten. Max und Louise waren schon früh da und mit ihrem Platz zwischen Garderobe und Wohnzimmer zufrieden. Dass man sich das mal klar machen müsse, sagte Max nur halblaut und wies Richtung Wohnzimmer, dass man das echt mal checken muss, dass über all diese Leute hier vollständig ausgewertete Profile bei Apple und Google und so liegen. Er zeigte auf Louises iPhone. Hier! Und dass mit all diesen Profilen Kohle gemacht wird. Aber keiner macht sich das bewusst. Die Leute sagen einfach ja, ich hab ja das und das davon und sehen gar nicht, welchen Preis sie zahlen. Ihre Identität! Max hob die Stimme und den Zeigefinger. Es geht um nicht weniger als einen selbst. Sag ich mal. Die Leute verschenken ihr Ich an die Konzerne. Das ist Sklavenhandel 2.0, Du bist die Ware, die Du hergibst, nicht mal verkaufst, sondern verschenkst. Und anders als die Afrikaner früher werden die digitalen Sklaven noch nicht einmal gezwungen, sich den Amerikanern zu unterwerfen. Willst Du noch ein Bier, rief der Freund von Max und Louise von hinten. Max nickte erleichtert. Ein Glück, dass noch was da ist. Ob Roger noch komme, fragte Louise und Max zuckte mit den Schultern. Kein Plan, ich warte schon die ganze Zeit auf die blauen Häkchen aber er scheint keinen Empfang zu haben. Aber so richtig wichtig sei ihm Rogers Anwesenheit auch nicht. Wer sich so doof anstellt. Versetz Dich mal in die Lage seiner Freundin, Max hob die Stimme wieder an. Da ahnst Du nichts Böses und dann grinst Dich dein Freund auf Tinder an. Wie dumm muss man sein, sich mit dem original Facebook-Profil anzumelden. Ok ich muss. Max wischte die Erinnerung auf seinem Handy zur Seite und gab Louise einen Drücker. Meine Sleep Cycle App sagt, dass ich die längste Tiefschlafphase habe, wenn ich vor zwei im Bett bin und weniger als drei Bier trinke. Schlaf ist mir wichtig. Louise nickte und schaute Max an. Mir auch. Man muss schlafen, bevor man aufwachen kann.

Jetzt ist auch wieder gut. Den Bloggerinnen fällt keine neue Variante mehr ein, mit der sie die vielen freien Parkplätze pointiert, ein bisschen frech und ohne versteckte Fremdenhassterminologie für ihre Komme-von-hier-wo-Du-hingezogen-bist-Profilierungs-Posts fruchtbar machen können (dass man zur Weihnachtszeit in Berlin ungeahndet queer-parken kann, hat komischerweise noch keiner formuliert aber das hat sich mit diesem Klammerzusatz jetzt auch erledigt).

Sicher: Es ist schön, eure Heimat auf Instagram mittlerweile auch sehen zu können und nicht wie früher, sozusagen damals, sozusagen von kurz nach dem Krieg bis letztes Jahr ungefähr nicht nur aus kryptischen Anleihen zu Dingen, die man hier nicht kennt, aus euren Facebook-Posts und Tweets herauslesen zu müssen. Im Bild ganz vorn: Münster (wie groß ist das bitte und trifft mein digital gewonnener Eindruck zu, dass im Wesentlichen jeder Zugezogene von dort hierher zog?), Biberach ok, Bonn ja gut, Eglisau in der Schweiz war auch dabei und besonders schön; allgemein viele Ort auf „-au“; ein bisschen Thüringen aber relativ wenig. Besonders prägnant (im Sinne von bedeutungsschwanger): je präsenter das Wort „Berlin“ im Username, desto größer die Distanz zwischen Standort des Users und Stadt an Weihnachten.

Jedenfalls bzw. however, wie wir ab nächste Woche wiedervereint sagen: Bevor wir jetzt die Frage aufwerfen, ob die Teilnehmerzahl der Berliner Pegida-Demonstration (fünf) auch was mit eurer Abwesenheit zu tun hat (ich halte das nicht für wahrscheinlich), sollten wir klären, warum sich die Wiederkehr lohnt: Es ist gerade relativ mild und ruhig. Sozusagen schön. Die Wiederkehr wäre zudem ein Akt der Fürsorge: Denn die supply chain stockt. Denkt doch mal nach: Man kann überhaupt keinen Döner mehr essen ohne euch (weil die Spieße genauso dick sind wie immer aber länger drehen müssen, um alle zu werden). Die Abwesenheit der Zugezogenen führt zu hygienischen Missständen in der Berliner Gastronomie. Gastronomie-Astronomie, Raum-Zeit-Kontinuum-mäßig wird klar: Es ist Zeit! Es gibt Raum. Und zwar nicht nur zum Parken. Wenn die Schranken schließen vor den Bahnübergängen eurer Hauptstraßen, wenn es heißt, Achtung, Tür schließt (sagt die Regionalbahn das auch?), dann: einsteigen bitte!

Der Beckenbodenkurs war fürn Arsch, schrie Johanna. Kreise können nicht schief hängen, rief Mike und schlug die Nägel in die Küchenwand, zwischen denen die Topfdeckel hängen sollten. Goethe hat nie den Literaturnobelpreis bekommen und in Köln ist es zur selben Zeit dunkler als in Berlin. Wenn man sie anstarrt, fragen Barfrauen häufiger als andere, was man will.
Sag ihm, ob ich nach vorne oder hinten kommen soll.

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Kausalitäten I

Ich höre selten zu. Das ist sozusagen immer nur solange der Fall, wie die Dinge was mit mir zu tun haben und das ist selten bei den Dingen, von denen die Leute erzählen der Fall, denn die Leute reden ja im Wesentlichen von sich. Das wissen die Zuhörer am besten, sie sind die, die Fragen stellen, was man ja nur kann, wenn man weiß, worum es geht, also nicht per se, aber damit es gute Fragen werden, Fragen, über die die Leute später sagen, Mann, der kann gut zuhören, damit es solche Fragen werden, muss man schon ziemlich gut zuhören aber ich komme eben nicht aus Neukölln. Ich kann aber nicht nur im Gespräch wenig fragen, sondern kann auch nichts sagen, wenn mich einer fragt, wie ich den Text finde und das Lied auf Englisch ist. Denn aus England komme ich schon gar nicht. Ich verstehe zwar Englisch aber keine englischen Lieder, die gehen so durch, wie wenn einer nicht von mir spricht. Ist ja auch nicht meine Sprache aber das ist glaube ich nicht der Grund. Diese Sprache, in der ich überwiegend, also auslandsaaufenthaltabhängig, nicht denke, sondern, wenn überhaupt, dann mal spreche, wirkt im englischen Lied nur wie ein Zusatzgedudel, als Extraklimbim quasi, das also wie gesagt nur so durchgeht wie die Leute, die im Laufen von sich sprechen und im Café, aber nicht wie Sprache als Zusatz zum Ton, wie wenn ich singe. Also könnte man sagen. Aber ich kann dann ja nichts sagen, sondern immer bloß die Schulter zucken, wenn es um Text in englischen Liedern und die anderen Dinge, von denen ich nicht viel verstehe und vor allem nicht um mich geht.

Und dann bist Du plötzlich der Täter. Stehst vor einer Skulptur aus stehenden Kindern. Also sagt man Dir. Aus sechs Kindern, die mit dem Rücken zu Dir mit ausgestreckten Armen an einer Wand stehen. Erkennst Du. Und Du begreifst: Du stehst gar nicht vor, sondern hinter den Kindern, Du bist der Polizist, der auch mit ausgestreckten Armen dasteht. Aber Deine Arme werden schwer von der Waffe, die sie runter ziehen und Deine Finger werden taub, von den Drohungen, die Du rufst. Du zielst auf die Kinder und sie zittern und noch ein letztes Mal für heute kommst Du raus aus dem Moment, denkst kurz an die, die von der Skulptur aus stehenden Kindern und von eindrucksvoll und so sprachen und fragst Dich, was geht mit so einem Mann, der ich gerade bin, was muss passieren, dass der so etwas machen kann, die Kinder schauen Dich nicht an aber Du ihnen in den Rücken und Du assoziierst sie mit Symptomen, warum der Mann bei denen ansetzt, fragst Du dich, wenn doch die ganze Welt von der Bekämpfung von Ursachen spricht und Du erkennst, dass nur Du, der Polizist, der Kreisausbrecher sein kannst: Die Kinder sind zu jung, das, was man System nennt, ist zu diffus, nur Du allein kannst … was machen? Was ist dieses Ausbrechen, von dem alle immer reden? Und dann lässt Dich das, was die anderen Skulptur aus stehenden Kindern nennen, da stehen und nach der Lösung für ein Problem suchen, das Du noch nicht mal richtig fassen kannst und Du erkennst, dass Du nicht von der Skulptur aus stehenden Kindern mal eben für den Moment zu dem Mann gemacht wurdest, der mit der Waffe auf Symptome zielt, sondern dass Du irgendwie seit immer schon dieser Mann bist, und nie ausbrichst, sondern Dich weiterdrehst, wie das Proseccochen in Deinem Kopf, noch eins bitte, und dass Du, seit alles sich irgendwie in den immer selben Bahnen zu drehen begann, wartest, bis Dich was raushaut, rausbricht aus dem Kreis, aber Du drehst dich nur schneller im Kreis, das ist das Glück, dass die nächste Proseccorunde Dir beschert aber nichts haut Dich raus, Du hoffst noch, noch ein Glas, aber es geht schief. Wie bei jedem Dschum. Du machst den Polnischen und stehst wenig später ganz klar da. Vor Dir nur noch die Straße, gerade, auf die sich die gesamte Vernissage verengt, wenn Du erkennst, dass die Straße in beiden Richtungen nicht vor einer Wand endet. Wie Du. Sondern offen ist. Wie das, was gerade mit Dir gemacht wurde. Nicht von einer Skulptur, die irgendwie steht. Sondern von großer Kunst. Die dich bewegt.

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Hinweise: Hier gibt es ein Bild der Skulptur. Daten zur Ausstellungseröffnung: Iris Kettner – Inecht | 11. September 2014 | 19.00 Uhr | Haus am Lützowplatz

Und dann dachte ich, es ist vielleicht besser, wenn ich einfach keinen Bananensaft mehr trinke. Ich meine, den mochte ich früher ja auch nicht. Und wenn das jetzt plötzlich anders ist, also dachte ich, dann bedeutet das ja, dass sich auch mit mir etwas verändert hat und jeder weiß ja, dass man süß als Reiz irgendwie anziehend findet, also sozusagen die geschmacklichen Höhen und Tiefen, wenn man dement ist, dass sich das dann also verstärkt und man das auch daran eben erkennen kann, dass einer krank ist. Aber das geht natürlich nur in eine Richtung, verstehen Sie? Also ich kann natürlich dement werden und dann deshalb Bananensaft trinken. Aber ich kann nicht aufhören, Bananensaft zu trinken und dann weniger dement sein. Aber was soll man dann tun? Womit soll man denn aufhören, um weniger dement zu sein? Das ist ne fucking Einbahnstraße und Du kannst Dich noch nicht mal dagegen entscheiden, in sie einzubiegen, sondern wirst einfach gedrückt, gepusht, to the limit, bis das Opfer wieder stabil ist und dann, die Karriere verbaut, schwere KV und am Ende kommst Du nicht mal Knast, weil so ein Spast was davon faselt, dass Du zwiegespalten bist, so von der personality her und dass Du Wahnvorstellung hast. Hundesohn.

Das war halt so, dass wir erst gesagt haben, ja, wir machen das. Und wir hatten auch nen Plan, also einen, der war vollständig und nicht nur so halb oder so, so waren wir nicht, denn wir wussten ja, davon gibt es genug. Und dann haben wir gesagt okay er macht die Beats und ich schreib die Texte und sie macht die Voice, so halt jeder entsprechend seiner Talente gemäß und sie hatte echt sone bitchy Art Mann das hätte bombe in jeden Video gepasst, naja und seine Beats waren genauso, also ich sag mal von dem her echt schon perfekt und es war jetzt auch nicht so, dass ich nichts schreiben könnte, ja, also ich hab ja gesagt, dass ich das mache und so und ich hätte es auch gemacht, nur ich sag mal auch, das geht halt am besten, also eigentlich nur, wenn die richtige Stimmung da ist, verstehst Du, so vom Mind her und ich sag mal wie sie schon immer geguckt hat, also allein, wenn sie auf Toilette war, sie hat sich aufgeführt, als wäre sie in einen Hotel naja und er, ich schwör, er war verliebt in sie, wie er ihr immer alles durchgehen also erlaubt hat, übertrieben behindert, wenn sie sagt Basecap sorum dann er macht sorum, verstehst Du, also echt so auf die schlechte Art.

Er hat einfach weiter gesprochen. Ich verstand kein Wort von dem, was er in einer Mischung aus 90% Polnisch, 8% Spanisch und 2% Englisch erzählte. Aber er erzählte, 20 Minuten lang, ab und zu warf seine Frau ein englisches oder spanisches Wort ein und so redeten wir immer fort, ich nur Ja und Nicken und I understand und er, bin ich mir am Ende ziemlich sicher, erzählte von der Arbeit, von seiner Küche und dem Essen, von seinem Sohn, der zwei Schürfwunden am Kopf hat und im Krankenhaus ist wegen eines Sturzes in der U-Bahn und vom Krieg und der Narbe unter dem alten BWM-Basecap auf seinem Kopf, die daher rührt und ich fragte nicht ihn, sondern nur mich, warum er so frei weiter plapperte, obwohl ich doch nicht erst nach zwanzig Minuten oder immer mal wieder zwischen durch, sondern von Anfang an die ganze Zeit nichts verstand und verstand ja doch ab und zu was und schüttelte er mir die Hand und gratulierte, als ich lawyer antwortete und wir lachten beide, viel, auch seine Frau manchmal mit, denn man muss ja einfach lachen, wenn einer lacht. Seit 44 sind sie in Amerika und dann kam der Bus. Und dann waren sie weg. Deshalb standen wir auch noch 18 Minuten weiter zusammen unter dem Dach, als der Regen vor 20 Minuten schon nach zwei Minuten wieder aufhörte und ich nur glaubte, dass es keinen Grund gab, jedenfalls nicht mein Verstehen, um hier weiter neben mir zu verharren , Rolltasche und Tüten in der Hand, der Bus lies die Seite hinunter und die zwei waren weg, nur ein ok, kein bye bye, kein Lächeln, zwei Rücken, die von Rolltasche und Tüte vor sich her in den Bus geschoben wurden, eine schöne Erinnerung.

Ich sagte: Das war vor zehn Jahren noch nicht so.
Und dachte: Das ist ein Erwachsenensatz.
Und dachte weiter: Den kenne ich schon aus der Kindheit.
Und erkannte: Jetzt ist sie endgültig vorbei.

Wenn die Sonne blendet, dann kneife ich seit einer Weile meine Augen nicht mehr zusammen. Um die Falten nicht noch tiefer um meine Augen zu ziehen. Ich reiße sie auf, die Augen, und trinke viel Wasser, zweieinhalb Liter am Tag, um die kleinen Furchen zu füllen, von innen, sie aufzuschwemmen, nass, denn Falten sind Risse und Risse haben mit Trockenheit zu tun, die es nicht gibt, wo man gießt. Und wenn meine Lehre beginnt, dann kaufe ich mir gute Creme.

Dass sie das fragen müsse, hat die Ärztin gesagt und dass sie damit nichts sagen wolle und man das jetzt auch noch gar nicht könne, weil erstmal abzuwarten sei. Wie das und das andere zu verstehen war, fragten wir uns danach. Und ob wir die richtige Antwort gaben. Dann drangen wir nach draußen, vor die Tür auf den Flur, wo keine anderen Besucher waren und Du nicht neben uns lagst wie ein Gegenstand, wie ein Objekt, über das man so verhandelt. Meine Kleine, hab ich Dich am Ende genannt, bevor ich ging. Ich kam noch mal rein, etwas war noch nicht fertig, noch nicht gesagt, noch nicht getan und dann streichelte ich Deine Schläfe und küsste sie dreimal. Ich nahm Deine Hand, als sie am Lacken zog und Deine Finger schlossen sich für ein paar Momente um meinen, ich verstand das als Zeichen von Dir an mich, nein, ich fragte mich, ob ich es als ein Zeichen von Dir an mich verstehen durfte und ich sah Dich an und Deine Augen sahen in die Richtung, aus der der Schlag kam, das sei normal, sagte die Ärztin vorhin, ich hörte Dich atmen, das klang ganz normal und dann piepste das Gerät wieder und dann verstummte es wieder, ich sagte nicht mehr als Tschüß, meine Kleine und dann wollte ich nicht, dass es endgültig klingt, also verabschiedete ich mich auf Morgen und merkte schon, dass ich morgen nicht kann und fügte an, vielleicht auch bis übermorgen und dass ich alles probieren will, was möglich ist, um zu kommen, das werde ich auch, ich versprach es Dir und mir ob es ein Zeichen von Dir an mich war, ich weiß es nicht und das ist auch nicht egal, auch dann nicht, wenn alle behaupten, Du bekämst eh nichts mehr mit, selbst wenn es so wäre, bin ich doch nicht nur für mich da, nein auch für Dich, so wie Du es damals warst, als ich vier, fünf, sechs, sieben Jahre alt war.

(…)
Wenn Du nicht leer bist, sondern S-Bahn fährst, Kaffee trinkst, Dich aufregst und wieder runter kommst und dann schlafen gehst und darüber das Schreiben vergisst. Dann hast Du zwar viel gemacht aber bald ist das dann weg, denn man erinnert sich ja nicht mehr dran und eine Sache, an die man nicht mehr denkt: die war ja nie da. Ohne Ohr, das es hört, kein Geräusch. Ohne Mensch keine Welt. Ohne Bewusstsein kein Objekt. Könnte man denken. Dachten schon viele. Und die Dinge würde sagen: Fickt euch doch, ihr Philosophen, wir sind auch ohne Menschen da.

Aber die Dinge sagen ja nichts. Sondern überlassen die Deutung uns.

“Mama, ich hab Hunger.”
“Finja, magst Du dem Luca von Deiner Reiswaffel abgeben?”
“Die zwei sind so süß zusammen.”
“Total!”
“Mama, ich mag noch bieler.”
“Dass der Luca das B so mit dem V vertauscht, das finde ich irgendwie … total spannend.”
“Ich hab gelesen, das ist wohl typisch.”
“Aha, interessant. Whow, schau mal da links das Feld. Das sieht ja wahnsinn aus. Fast wie ein Desktophintergrund.”
“Whow! Unser Wochenende auf dem Reiterhof fand ich btw echt megaschön.”
“Ja, ne? Und fast drei Tage komplett offline. Das denkt man echt nicht mehr heute, dass sowas noch geht.”
“Total. Stell Dir vor, was die Leute aus der Kita denken, wenn die bei Whatsapp sehen: zuletzt online Freitag 17:30.”
“Stimmt, witzig. Du, sag mal magst Du dann über die Schönhauser Allee fahren? Die Finja und ich, wir brauchen noch Agavendicksaft.”
“Klar, aber wollt ihr den Luca mit rein nehmen? Dann würde ich kurz eine rauchen.”

Die Leute meinten alle, auf der Party sei noch irgendwas voll abgefahrenes passiert. Aber keiner wollte es mir sagen. Und ich kann mich beim besten Willen nicht daran erinnern.